„Digitale Sport Medien“ sprachen mit Jose Villalienga, dem Verantwortlichen der Abteilung Kommunikation und Social Media des Handballclubs Gran Canaria, über die digitale Strategie des Clubs.

Guten Tag, Herr Villaluenga! Wir sind sehr glücklich, Herbalife Gran Canaria in unserem Magazin vorzustellen. Der Club hat sich schon sehr früh auf die digitalen Medien konzentriert…

Als ich im Jahre 2011 zu Gran Canaria gekommen bin, gab es noch keine digitalen Medien im Club. Deshalb war es mein Ziel, den Fans Gran Canaria über die digitalen Medien näher zu bringen. Heutzutage sind wir vom digitalen Leben umgeben, deshalb mussten wir ein Teil davon sein. Wir wollten unserer Konkurrenz einen Schritt voraus sein, um auch besonders die Millenials, die einen großen Teil des Clubs darstellen, mitzunehmen. Und um das zu verwirklichen, entwickelte der neue Vorstand mit dem Präsidenten Miguelo Betancor die Strategie „Smart Club“, die darauf abzielt, ein besserer Medien-Club zu werden.

Sie koordinieren die ganze Medienkommunikation im Club. Können Sie Ihren typischen Arbeitstag beschreiben?

Meine erste Aufgabe jeden Morgen ist es, alle relevanten lokalen, nationalen und internationalen Zeitungen zu lesen, um ein klares Bild von allem Sportgeschehen zu haben. Danach koordiniere ich die öffentlichen Gespräche und Interviews für den Tag und plane die kommenden Tage oder Wochen. Ich führe außerdem jeden Tag über 20 Telefonate.. Danach habe ich ein kurzes Meeting mit meinem Kollegen Jesús Morales, um den Content für die digitalen Medien zu erarbeiten, auf den wir uns an diesem Tag konzentrieren müssen. Wenn das Team Training hat, muss ich da sein, um alle TV-Sender, Radiosender und Zeitungen zu koordinieren, die jeden Tag über das Team berichten und die Interviews von unseren ausländischen Spielern übersetzen, die kein Spanisch sprechen. Wenn dieser Teil meiner Arbeit fertig ist, konzentriere ich mich auf mittelfristige Ziele in den sozialen Medien,, um exklusive Inhalte für die digitalen Kanäle zu produzieren. Zudem geht es auch darum, mit potenziellen Sponsoren Gespräche zu führen, die unseren Club als starken Partner sehen.

Wie groß ist die digitale Abteilung im Club und wie koordinieren Sie intern die Aktivitäten zwischen den Abteilungen (z.B. Ticketing, Marketing, Pressabteilung usw.), um deren Wünsche in der Fankommunikation zu berücksichtigen?

Nacho Rodriguez, unser Leiter Digitale Innovation, hat einige Arbeitsgruppen im Basecamp zusammengestellt, wo wir neue Ideen und Projekte zwischen den unterschiedlichen Abteilungen koordinieren. Im Basecamp gibt es einige unterschiedliche externe Experten,, die uns helfen, unsere Ziele effektiver umzusetzen. Dadurch bleiben wir auch im Kontakt mit unserem Präsidenten Miguelo Betancor, der die Strategie vorgibt, um ein nachhaltiger Club zu werden.

Das Netzwerk Facebook dominiert bei den meisten Clubs in der ganzen Welt. Wann haben Sie ihr Profil erstellt und wurden Ihre Ziele erreicht?

Das Herbalife Gran Canaria Facebook-Profil haben wir im Februar 2011 gelauncht, als ich in die Abteilung gekommen bin. Die ersten Ziele waren, eine Fan-Community aufzubauen, den Fans das Team näher zu bringen und sie fühlen zu lassen, dass sie auch Teil des Clubs sind. Heutzutage hat unser Facebook-Profil über 55.000 Likes, was mehr ist, als wir erwartet haben. Unsere Fan-Community ist auch dank meines Kollegen Jesús Morales so schnell gewachsen, der sich seinen ganzen Arbeitstag mit den digitalen Medien beschäftigt und auch wunderbare Video-Inhalte erstellt. Das hilft uns, neue Fans zu gewinnen.

Welche andere Kanäle/Plattformen sind bei Gran Canaria im Einsatz, um mir der Fan-Community zu interagieren (z.B. Google+, Twitter, YouTube usw.)?

Wir nutzen unterschiedliche Kanäle wie Twitter, YouTube, Instagram, Flickr und seit kurzem auch Sportacam. Wir probieren die Plattformen aus, die für unsere Fans leicht nutzbar sind, so dass sie sich wie ein Teil des Clubs fühlen können. Besonders glücklich sind wir über die Implementierung von Sportacam, wodurch wir unseren Spielern erlauben, direkt mit den Fans zu kommunizieren. Das geschieht über Bewegtbild und ist viel besser als nur mit Text zu arbeiten.

Bieten Sie exklusive Inhalte für jede Plattform an, oder nutzen Sie Cross-Posting?
Wir nutzen Cross-Posting. Aber seit kurzem versuchen wir individuelle Inhalte für jede einzelne Plattform zu erstellen.

Wie verfolgen Sie die ständige Evolution der Plattformen? Heutzutage gab es einen Hype um Meerkat, dann um Periscope und jetzt und SnapChat. Gibt es einen Prozess, um diese Trends kritisch zu beurteilen und falls sie als positiv gelten, dann auch zu implementieren?

Ich mag es zu entdecken, welche Apps im Moment im Trend sind und welche für unsere Ziele passen. Wir haben viele unterschiedliche Apps getestet und viele davon erfolgreich umgesetzt, andere wiederum aber nicht. Wir haben keinen speziellen Prozess dafür definiert, wir besprechen es innerhalb der Kommunikationsabteilung. Und am Ende holen wir uns die Erlaubnis zur Nutzung bei unserem Geschäftsführer.

Sehen Sie einen Überfluss an Angeboten in den sozialen Medien, was die Fans irritieren könnte?

Ja, das hat seine Risiken. Wir sind einer jener Clubs der Endesa Liga, der viele Social Media- Kanäle hat. Deshalb wollen wir unseren Fans für jede Plattform exklusive Inhalte bieten. Wir versuchen einfaches Kopieren von unserer Homepage zu vermeiden, weil die Fans das als Spam einstufen könnten. Wir haben Strategien, welche Inhalte wir wann streuen. Das führt dazu, dass jeder Fan eine Menge an Inhalten geboten bekommt und aus diesen unterschiedlichen Inhalten wählen kann (Videos, Bilder, Posts usw.).

Haben Sie interne Social Media-Regeln (z.B. für Spieler, Mitarbeiter usw.) im Club?

Ja, wir haben unsere internen Regeln für die Spieler,, die wir am Anfang der Saison jedem Spieler zur Verfügung stellen. Die Regeln sind nicht zu streng. Das Hauptziel ist nicht, ihre Freiheit zu nehmen, sondern Minimalkriterien aufzulisten, wie z.B. den Club, die Medien oder Sponsoren nicht zu kritisieren. Die meisten Spieler stehen erst am Anfang, was die Nutzung der sozialen Medien angeht. Manchmal fragen sie uns auch um Rat: Wann sind die besten Zeiten um zu posten, wann nutzt man welche Hashtags oder auch, welche Bilder man hochladen sollte. Dann hilft unsere Abteilung, die Qualität derer Inhalte zu erhöhen.

Hat das Wachstum auf den Plattformen den Trafic auf die Homepage erhöht? Wenn ja, in welcher Form?

Zurzeit stammen etwa 30% unserer Visits auf die Homepage aus den sozialen Netzwerken. Diese haben einen großen Einfluss auf unseren Traffic. Und die sozialen Netzwerke sind sogar wichtiger geworden als die Homepage, wenn man die Sessions und Visits berücksichtigt. Wir verfolgen den Traffic gut über das Tool WELOVROI, um daraus Verbesserungen für unsere Inhalte abzuleiten.

Die Spieler sind einer der wichtigsten Faktoren, was Fan-Kommunikation und Engagement angeht. Können Sie die Spieler direkt ansprechen, um die Inhalte zu koordinieren, oder wurde dafür ein bestimmterProzess definiert?

Meine Beziehung zu den Spielern ist sehr eng – das gilt auch im digitalen Marketing. Wir tauschen uns oft aus, sie hören auf mich und ich höre ihnen zu. Wir lernen viel im Team und ich erarbeite neue Ideen für das Marketing. Zurzeit bereiten wir einige Kampagnen mit den Spielern über Sportacam vor, wir promoten auch ihre eigenen Profile und erhöhen ihre Reichweite auf Facebook über individuelle Video-Interviews auf unserer Plattform.
Neben den Spielern als Clubbotschafter sind vor allem die Inhalte für Interaktionen und Engagement wichtig . Erstellen Sie Ihre Inhalte intern im Club oder außerhalb?

Wir erstellen alle Inhalte innerhalb des Clubs. Der einzige Content, den wir filtern, kommt von unseren Sponsoren. Wir veröffentlichen auch unser eigenes Magazin, das alle 15 Tage publiziert wird und verbreiten es während der Spiele unter den Fans, aber auch digital über ISSUU.

Welche Inhalte funktionieren für die Community von Herbalife Gran Canaria am besten?

Wir erkennen den Erfolg, den die Inhalte haben, über das Tool WELOVROI. Wenn wir gewinnen, hat der letzte Post oder Tweet immer die höchste Engagement-Quote und wird am meisten geteilt. Wir müssen immer daran denken, dass das Wachstum in unseren sozialen Medien natürlich auch mit unserem Erfolg der letzten Jahre verbunden ist, aber auch der Arbeit meines Kollegen Jesus und mir geschuldet ist. Posts und Promotion-Aktionen zu unseren Heimspielen funktionieren auch ganz gut, diese Videos werden auch oft in der Community acb.com und auch in anderen Medien geteilt. Deshalb schenken wir den audio-visuellen Inhalten unserer Heimspiele viel Aufmerksamkeit.

Die sozialen Medien sind von den Fanzahlen sehr stark gewachsen. Hat das einen Einfluss auf Ihre Sponsoren und spricht es neue an? Wenn ja, führen Sie bestimmte Kampagnen oder Marketing/ Sponsoren-Aktivitäten während der Saison durch?

Vor kurzem hat der Club einen neuen Sponsor gewonnen, genau weil wir eine attraktive Anzahl an Fans in unseren Netzwerken haben. Wir können unsere Reichweite durch die Tools Welovroi und Blinkfire nachweisen. Einige der aktuellen Sponsoren fragen uns inzwischen, ob sie unsere Kanäle für ihre Kampagnen nutzen können. Vor kurzem haben wir so ein Pionier-Produkt von Skoda, den „Basket Manager“, eingeführt. Gerade bereiten wir unser Portfolio der digitalen Marketing-Produkte für unsere aktuellen und zukünftigen Partner vor.

Eine digitale Auffälligkeit ist nicht nur der Wachstum auf sozialen Netzwerken, sondern auch die Evolution der Smartphones. Haben Sie Mobile und Social Media schon verbunden (z.B. Check-Ins usw.)?

Über 50% der Visits auf unserer Website und den Social Media-Kanälen kommen zurzeit von den Smartphones. Deshalb gestalten wir alle unsere Inhalte responsiv. Mit dem Einsatz neuer Tools wie Sportacam ermuntern wir unsere Fans, ihre Smartphones während der Sportveranstaltungen zu nutzen und ihre Erlebnisse in unserer Arena zu teilen.

In den letzten Jahren wurde Audio sehr vernachlässigt, aber jetzt sehen wir, dass Klubs wie Arsenal und Köln viele Fans über Soundcloud erreichen. Wird Audio wieder auferstehen?

Seitdem wir mit Digitalem Marketing angefangen haben, haben wir viele Audio-Inhalte produziert. Wir nutzen solche Apps wie Ivoox, Soundcloud und andere. Seit kurzem nutzen wir Audioboom, eine App, die wir während eines NCAA Wettbewerbs entdeckt haben. Wir mögen es, da es sehr funktionell ist, und wir es auf unserer Website einbinden können. Wir finden es wichtig, Audio-Inhalte hochzuladen, da die Fans es mögen, ihren Idolen zuzuhören.

Die Fans wollen und können nicht genug Nähe zu ihrem Club aufbauen. Was wird das nächste „große Ding“ in der digitalen Welt sein? Second Screen, SMART-TV Apps oder eine ganz neue Technologie?

Wir glauben, dass heutzutage die Video-Interaktion ziemlich stark im Trend der digitalen Medien ist. Deshalb nutzen wir auch solche Tools wie Sportacam, Videolean, Periscope usw. Mobile Inhalte und Apps werden auch zu neuen Plattformen führen.

Können Sie mit uns Ihre digitale Medien-Strategie für die Play-Offs und den Rest des Jahres 2016 darlegen?

Paradoxerweise haben wir mit unserem Ausscheiden aus dem Eurocup mehr Zeit, um neue Strategien zu erarbeiten und neue Inhalte vorzubereiten, die wir während der Saison machen wollen. Wir wollen unseren Fokus auf die Play-Offs legen. Wir wollen einige tolle Geschichten über unsere Spieler erzählen – den Fans zeigen, wer sie sind, was sie denken und wie sie in bestimmten Situationen reagieren. Im Grunde genommen wollen wir unseren Fans erlauben, die Spieler besser kennenzulernen und mit ihnen zu interagieren. Andererseits können wir dank unseren Statistik-Tools für unsere Partner unser Portfolio der digitalen Produkte vorbereiten, um mehr Umsatz zu generieren.

Zum Schluss will ich noch sagen, dass Gran Canaria nicht nur ein Team ist, sondern auch eine herrliche Insel. Und wir sind sehr stolz, dass wir diese in unserer digitalen Kommunikation präsentieren dürfen.

Danke Herr Villaluenga für das interessante Gespräch!